Die IT-Branche hat wie kaum eine andere Branche seit Jahren mit einem Genderproblem zu kämpfen. Trotz des enormen Marktwachstums im Zuge der Digitalisierung und hervorragenden Jobperspektiven ist die Lücke riesig. Es steigen kaum Frauen in die Branche ein, welche von vielen immer noch als reine Männerdomäne gesehen wird – dabei werden weibliche IT-Fachkräfte mehr denn je benötigt.

Doch warum können sich so wenige Frauen für die IT begeistern? Wie so oft werden die Weichen für die berufliche Zukunft schon in der Kindheit und Jugend gestellt. Eine im Auftrag von Microsoft durchgeführte Studie kam zu dem Ergebnis, dass das Interesse der Mädchen im Alter von 11-16 Jahren an technischen Fächern wie Mathematik und Informatik am größten ist, dann aber stark abnimmt.

Mehr weibliche Vorbilder benötigt

Vielen Mädchen fehlen die weiblichen Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Frauen wie Sheryl Sandberg (CO-Geschäftsführerin von Facebook) bilden nach wie vor die Ausnahme. Gängige Klischees eines „Nerd“ – die nicht zuletzt durch Serien wie „The Big Bang Theorie“ verstärkt werden – bekräftigen den Eindruck, dass die IT-Branche von sehr speziellen Charakteren dominiert wird, in der Frauen fast keine Chance haben erfolgreich zu werden. Auch der Fakt, dass es sich um eine männerdominierte Branche handelt, entmutigt viele Jugendliche, sich bei der Ausbildung für die Informatik zu entscheiden. Viele Frauen kommen deshalb nach wie vor zufällig oder durch Umwege in die Branche.

Quelle: https://www.wsj.com/articles/sheryl-sandberg-on-how-to-get-to-gender-equality-1507608721

Medizin- und Medieninformatik als Vorreiter

Auch der geringe Frauenanteil von gerade einmal 15-20% in klassischen Informatikstudiengängen macht wenig Hoffnung, dass sich die Gendergap in naher Zukunft schließen wird. In Kontrast dazu stehen Studiengänge wie Medizininformatik oder Medieninformatik, welche neben der Informatik mit anderen beliebten Studienfächern kombiniert sind. Hier ist der Frauenanteil mit ca. 30-40% deutlich höher.

Das Problem ist der Branche bekannt. Um auch die reinen Informatikstudiengänge für weibliche Studentinnen attraktiver zu machen, wurden bereits verschiedene Programme ins Leben gerufen. Als problematisch hat sich oft das Wording bei der Beschreibung der Studieninhalte herausgestellt, woran schon intensiv gearbeitet wird. Durch die Nutzung von Wörtern wie „Design“ oder „Communications“ klingt ein Informatikstudiengang auch für weibliche Interessenten deutlich attraktiver.

Diskussion um eine Frauenquote

Ein oft diskutiertes und umstrittenes Thema zur Integration von mehr weiblichen Fachkräften in der Technologiebranche ist die Frauenquote. Gegner halten mit dem Argument dagegen, dass eine solche Lösung kaum zu einer nachhaltigen Lösung des Genderproblems beitragen würde und die Ursachen so nicht behoben werden. Eine bessere Lösung zur Sensibilisierung von weiblichen Nachwuchskräften ist die frühzeitige Förderung. Im jungen Alter fehlt den Mädchen oft der Zugang zur Informatik. Um das zu ändern, wurden bereits einige millionenschwere Image-Kampagnen initiiert, um die Begeisterung für MINT-Fächer zu wecken – mit durchwachsenem Erfolg. Deutlich vielversprechender ist es direkt in der Praxis Berührpunkte zu schaffen – wie etwa in der Schule. Hier stehen nicht nur Bund und Länder in der Pflicht, sondern auch die Unternehmen. Gezielte Förderprogramme wie Schnuppertage oder Praktika können helfen, die jungen Frauen schon früh für eine Karriere in der IT-Branche zu begeistern.

Girls Day bei FNT

Auch die FNT hat die Notwendigkeit zur frühzeitigen Förderung von Mädchen im IT-Bereich längst erkannt. Zum zweiten Mal wurde dieses Jahr für Schülerinnen ab der 8.Klasse ein Girls Day veranstaltet, um Einblicke in die Praxis zu geben und Interesse zu wecken. Dabei können die Teilnehmerinnen einen Tag lang IT-Luft schnuppern, durch Aufgaben wie App-Entwicklungen auch spielerisch erste Einblicke in die Software-Programmierung sammeln. Ergänzend lernen sie zum Thema Berufsorientierung die Ausbildungsmöglichkeiten bei der FNT kennen. Das rundum positive Feedback zeigt, dass solche Veranstaltungen das Interesse fördern und die Teilnehmerinnen motivieren, eine Karriere im IT-Bereich zu starten.

Doch nicht nur der Fachkräftemangel bewegt die Unternehmen dazu, nach weiblichen Bewerberinnen Ausschau zu halten. Unternehmen mit gemischten Teams sind kreativer, innovativer und schaffen eine bessere Arbeitsatmosphäre. Mit einer Frauenquote von aktuell 26,84% steht die FNT im internationalen Vergleich schon heute gut da.

In unserer neuen Beitragsreihe „Frauen in der IT: Schluss mit Vorurteilen“ möchten wir deshalb den Aufgabenbereich sowie den inspirierenden und spannenden Karriereweg einiger Mitarbeiterinnen vorstellen, und berichten, wie diese Ihren Weg in die IT-Branche gefunden haben. Auch Themen wie der Umgang mit Vorurteilen, Herausforderungen oder Gründe für die persönliche Motivation sollen thematisiert werden.