Hans-Jörg Roser ist seit sieben Jahren bei der FNT, hat in dieser Zeit schon einiges erlebt und ist mittlerweile als Product Manager und Product Owner in Personalunion tätig, d.h. er übt beide Funktionen parallel aus. In diesem Interview spricht er über seinen Berufsalltag, erklärt was einen Product Manager von einem Product Owner unterscheidet und verrät warum er glücklich darüber ist, dass sein fast 40-jähriger Ford Capri noch komplett ohne Software ausgestattet ist.

Hallo Hans-Jörg, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Erzähl doch zu Beginn etwas über deine Person. Wie und wann bist du zur FNT gekommen?

Hans-Jörg Roser : Ich habe eigentlich Mechatronik mit dem Schwerpunkt technische Redaktion studiert, habe mich aber schon immer für Software begeistert. Als ich bei der FNT angefangen habe, war ich zunächst ein halbes Jahr als Redakteur tätig, ehe ich dann in den Bereich Requirement Engineering mit Fokus auf Oberflächendesign gewechselt bin. So habe ich mich dann auch immer mehr in Richtung meines momentanen Jobs bewegt. Zunächst war ich Product Owner, dann Product Manager, seit vier Jahren erfülle ich beide Rollen für den Bereich FNT ServicePlanet in Personalunion. Insgesamt entspricht mein Werdegang also wirklich einem Quereinstieg.

Dann bist du momentan also in beiden Funktionen tätig – als Product Owner und als Product Manager. Wie sieht denn dein Arbeitsalltag aus?

Hans-Jörg Roser: Durch die beiden Rollen habe ich ein sehr breites Feld an Tätigkeiten. Das beinhaltet Aufgaben wie die Zusammenarbeit mit Entwicklerteams, die Aufnahme von Requirements auf operativer Ebene, die Durchführung von Team-Reviews und geht hin bis zur Abstimmung mit den Business Line Managern, wenn es um die strategische Ausrichtung des Werkzeugs geht. Dazwischen fallen aber auch Aufgaben auf der taktischen Ebene an. Man muss eine Strategie über Anforderungsmanagement hin zu verständlichen Einheiten herunterbrechen um sicherzustellen, dass das Entwicklerteam auch effizient arbeiten kann. Nur so kann anschließend eine zielgerichtete Software implementiert werden, welche die Bedürfnisse des Kunden und des Marktes abdeckt.

Vielen Kollegen ist der Unterschied zwischen einem Product Owner und einem Product Manager nicht ganz klar. Beide Berufe befassen sich offensichtlich mit dem Produkt. Doch wo genau liegt der Unterschied?

Hans-Jörg Roser: Der Product Owner hat einen Produktfokus, der Product Manager eher einen Funktionsfokus. Ein Product Owner arbeitet direkt mit dem Entwicklungsteam, ich würde sogar behaupten er ist Element des Entwicklungsteams. In diesem Zusammenhang muss er die Anforderungen klar kommunizieren, die Team-Reviews organisieren und auch die Fachlichkeit bewerten können. Ein Product Manager bewegt sich eher auf der taktischen Ebene. Er muss die Bedürfnisse des Kunden und des Marktes aufnehmen und übersetzen.

Man kann zur Vereinfachung auch sagen, dass dieser extern orientiert ist, während der Product Owner sich auf den internen Bereich fokussiert. Dafür muss der Product Owner ins Team schauen und versuchen mit einer internen Perspektive die für das Team relevanten Informationen zu beschaffen, wie z.B. die Anforderungen. Im Vergleich hierzu schaut der Product Manager nach „draußen“ und versucht die erhaltenen Informationen so zu übersetzen, dass der Product Owner etwas damit anfangen kann.

Zunächst hast du ja nur die Rolle des Product Owners übernommen und musstest dich deshalb immer mit einer anderen Person, dem Product Manager, abstimmen. Klappt die klare Verteilung der Verantwortungsbereiche in der Praxis auch wirklich oder überschneiden sich Eure Aufgabengebiete?

Hans-Jörg Roser: Eine Trennung beider Rollen bringt auf jeden Fall mehr Aufwand mit sich, da jede Schnittstelle zwischen Menschen Kommunikation voraussetzt.Man muss einfach immer von Fall zu Fall unterscheiden und hinterfragen, was die beste Lösung ist. Bei einem kleinen Integrationstool mit überschaubarem Funktionsumfang wäre es sinnvoller, wenn eine Person beide Rollen besetzt. Generell sollte man je nach Komplexität, dem Status des Produkts sowie dem Qualitätsanspruch entscheiden.

Gibt es also keine Methodik die beide Rollen klar abgrenzt und definiert?

Hans-Jörg Roser: Jedes Framework das Methoden in diesem Bereich beschreibt, sieht das anders. Da gibt es wirklich eine weite Streuung. Scrum beispielsweise legt sich nur auf den Product Owner fest, welcher für das Produkt zuständig ist. Dann wird diese Rolle nach innen gerichtet – auf das Team bezogen – sehr detailliert beschrieben. Dann gibt es Frameworks wie das Pragmatic Marketing, welche den Product Owner als solchen nicht berücksichtigt. Der Fokus liegt hier auf dem Markt, dem Kunden und dem Produkt, nicht aber auf der Lösung. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte.

Mittlerweile gibt es viele Frameworks, die sich im skalierten Umfeld bewegen und eine sinnvolle Trennung finden. Die FNT macht Enterprise Software und es ist nicht möglich , dass ein Product Owner den kompletten Aufgabenbereich eines Produktes abdeckt. Hier haben wir einen Schnitt eingeführt, zwischen dem der Lösung für den Kunden und dem was wir domänenorientiert und intern entwickeln. Um hier zu skalieren, sind verschiedene Rollen notwendig. Momentan besteht unser Team bei der FNT aus insgesamt sieben Product Ownern und neun Product Managern.

Quelle: https://www.produktion.de/veranstaltungen/fabrik-des-jahres/id-7-erfolgsfaktoren-fuer-das-lean-development-106.html

Als nächstes noch eine Frage, für alle, die sich schon jetzt für Deinen Beruf begeistern konnten. Welche fachlichen Qualifikationen und Anforderungen werden denn an einen Product Manager bzw. an einen Product Owner gestellt?

Hans-Jörg Roser: In beiden Fällen gibt es nicht den „einen Weg“ oder die typische Ausbildung, ich selbst bin ja auch ein Quereinsteiger. Ganz oft werden die Positionen aber an Wirtschaftsinformatiker vergeben, da die erlernten Studienhalte gut mit den Anforderungen übereinstimmen. Mittlerweile gibt es aber auch immer mehr reine Produktmanagement-Studiengänge.

Was die fachlichen Anforderungen betrifft, so kann bei einem Product Owner ein Entwicklerhintergrund auf jeden Fall vorteilhaft sein. Dennoch, in beiden Berufen sollte man auf jeden Fall die Kunden- und die Benutzerperspektive einnehmen können. Der Product Manager versteht hierbei was der Kunde möchte, der Product Owner konzentriert sich darauf wie ein Benutzer anwenderfreundlich damit arbeiten kann, auf Basis der Anforderungsanalyse die der Product Manager durchgeführt hat. Für diese Anforderungsanalyse muss der Product Manager also etwas mehr kommunizieren, vor allem extern. Wichtig ist aber, dass dieser nicht die Rolle des Consultants einnimmt. Der Rückkanal ins Unternehmen ist wichtiger als der Kanal nach außen, für denn der Consultant zuständig ist.

Ein Product Manager spricht also viel mit Kunden. Inwieweit agiert denn ein Product Manager auch vertriebsunterstützend bzw. worin liegen die klaren Grenzen zu einem reinen Sales Manager?

Hans-Jörg Roser: Der Hauptunterschied eines Product Managers zu einem Sales Manager ist die Zielsetzung. Ein Product Manager wird immer versuchen, sein Produkt voranzubringen. Er wird deshalb immer mit allen Kugeln jonglieren, um das Produkt erfolgreich zu machen und eine hohe Marktdurchdringung zu erreichen. Der Sales Manager hingegen konzentriert sich primär auf die Aufgaben, die unmittelbar mit dem Verkauf des Produktes zusammenhängen. Abgesehen davon wird ein Sales Manager funktional gesehen immer nur versuchen Anforderungen soweit zu verstehen, bis er dem Kunden eine Lösung aufzeigen kann.

Zusätzlich haben wir in diesem Umfeld noch Consultants, welche den Kunden beraten sowie das Produktmarketing, welchen einen bestimmten Aspekts des Produktmanagements umsetzt: Nämlich die Informationen durch Kampagnen nach außen zu tragen und in die Märkte zu bringen.

Wer ist denn nun für den Erfolg eines Projektes verantwortlich – der Product Manager oder der Product Owner?

Hans-Jörg Roser: Grundsätzlich ist immer das ganze Team für den Erfolg verantwortlich. Jeder verantwortet seinen Teilaspekt. Sowohl der Product Owner als auch der Product Manager sind auf Ihrer Ebene für die Qualität der Wissensvermittlung verantwortlich. Aber bei der Software-Entwicklung wird Trial-and-Error ohnehin gefördert. Es ist eher von Vorteil, die Fehler früh zu erkennen und eine Neuausrichtung zu schaffen. Ein Prozessablauf nach dem Motto „Plan-Do-Check-Act“ ist daher am effizientesten.

Quelle: https://www.produktion.de/veranstaltungen/fabrik-des-jahres/id-7-erfolgsfaktoren-fuer-das-lean-development-106.html

Aber wäre es nicht sinnvoller, eine Mischung aus beiden Berufen zu haben? Schließlich ist ein Produktmanager doch immer nah am Kunden und könnte die Anforderungen und Bedürfnisse direkt in die Projektplanung und Entwicklung mit einbeziehen.

Hans-Jörg Roser: Der Faktor Effektivität spricht ganz klar dafür. Vor allem in der Frühphase eines Produkts oder bei einem nicht allzu großen Umfang des Produktes. Oder aber wenn es die Komplexität eines Produktes nicht notwendig macht. Bei der FNT haben wir meist hochkomplexe Produkte, die groß sind und auch eine hohe Marktdurchdringung haben. Hier sind die Rollen in Folge dessen dann auch getrennt. Es kommt auch immer sehr auf die Person an, da der Beruf viel Verantwortung mit sich bringt. Man muss eben fähig sein, im richtigen Moment die richtige Brille aufzusetzen. Wer das nicht kann, sollte lieber nur eine Rolle begleiten.

Das klingt alles spannend und herausfordernd. Möchtest du noch etwas Werbung für deinen Beruf machen? Was macht deinen Job als Produktmanager so abwechslungsreich?

Hans-Jörg Roser: Was wirklich interessant ist und mich auch immer wieder herausfordert ist die Tatsache, dass man mit unglaublich vielen verschiedenen Menschen kommunizieren muss, die alle unterschiedliche Intentionen und Motivationen haben. Das ist unglaublich spannend und hält für jeden Menschen immer neue Erfahrungen bereit. Interessanterweise kommen mir trotz meinem Quereinstieg auch meine im Studium erlernten Fähigkeiten immer wieder zugute. Sowohl die Dokumentation und die didaktische Vermittlung von Inhalten als auch die multimedialen Fähigkeiten zur visuellen Aufarbeitung.

Was ich an meinem Beruf wirklich mag, ist die Abwechslung. Ich genieße es ständig aufs Neue mit neuer Fachlichkeit und neuen Inhalten konfrontiert zu sein. Ständig neu lernen zu müssen und sich an neue Situationen anzupassen. Das hält meinen Motor am Laufen!

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was sind deine Interessen außerhalb der Firma und wie verbringst du deine Freizeit?

Hans-Jörg Roser: In meiner Freizeit schraube ich gerne an meinem Oldtimer – einem Ford Capri, der dieses Jahr seinen 40. Geburtstag feiert. Der ist aber noch ganz ohne Software ausgestattet – zum Glück (lacht). Schließlich braucht man auch mal einen Ausgleich. Zusätzlich mache ich noch Kraftsport, allerdings nicht professionell.

FNT Inside – 3 Fragen an Hans-Jörg Roser

1. Wie würdest du die FNT in einem Satz beschreiben?

A: „Ein familiäres Umfeld, das einen mit interessanten Aufgaben konfrontiert, die einen aber auch immer wieder aufs Neue herausfordern können.“

2. Was ist dein Lieblingsessen in der FNT Kantine?

A: Linsen mit Spätzle

3. Was war dein lustigstes Erlebnis, dass du mit der FNT verbindest?

A: Eine Feststellung, die ich immer wieder mache: Frisches Popcorn im Büro fördert zwar die Arbeitsmoral, aber führt auch zum temporären Erliegen des Betriebs!